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Sassenberger Pelkmann seit 70 Jahren Schütze

Heinz Pelkmann gehört zum Schützenverein wie das Grün zum Weiß: 70 Jahre ist der Sassenberger schon Mitglied im Verein. Für seine langjährige Treue wurde er nun von Frank Deitert ausgezeichnet. 

Jubilar 2021

Heinz Pelkmann, hier mit seiner Ehefrau Anni, gehört dem Schützenverein seit sage und schreibe 70 Jahren an. Dafür wurde er mit einer Glastrophäe geehrt.

Der Sprecher des Schützenvereins brachte die Ehrentrophäe persönlich vorbei, schwelgte mit dem Senior und seiner Familie in Erinnerungen. „Es waren sehr schöne Jahre“, sagt Anni Pelkmann. Gern denken sie und ihr Mann Heinz an unzählige Feste zurück, von denen sie nicht eins hätten verpassen mögen. 

Immer ein Feiertag

Das Schützenfest als Fest der Feste war und ist bei Pelkmanns ein Feiertag, ein gesetzter Termin. Mit 18 Jahren sei er in den Verein eingetreten, erzählt der Jubilar. Sein Freund Clemens Schräder habe ihn damals dazu überredet. Es war eine Entscheidung, die der Vater von vier Töchtern nie bereut hat.

Auch die Tatsache, dass er nie König war, tangiert Pelkmann kaum. „Er war kein Mann dafür“, wirft seine Frau Anni ein und fügt an, dass er dazu „viel zu aufgeregt und nervös gewesen wäre, als um die Königswürde zu kämpfen“. Als der Jubilar 1951 dem Verein beitrat, durfte man wegen des verlorenen Weltkriegs keine Gewehre benutzen. 

Mit Armbrust auf den Vogel geschossen

Deshalb schossen die Schützen zunächst mit einer Armbrust auf den Vogel. „Von dieser Zeit her rührt auch die Tatsache, dass die Schützen keine Gewehrattrappe, sondern einen Spazierstock tragen“, weiß Frank Deitert zu berichten. Andere Vereine hätten dann später zu Holzgewehren gegriffen, weil es wieder erlaubt war. Der Sassenberger Schützenverein jedoch habe sich entschieden, die Tradition mit den Spazierstöcken, deren Spitze ein buntes Rosensträußchen ziert, fortleben zu lassen. „Das gibt unserer Meinung nach ein viel friedlicheres und schöneres Bild ab“, so Deitert.

Dass das Schützendasein viel Spaß machen kann, beweisen die alten Fotos, die sich Heinz Pelkmann, auf dem Bild links unten, noch heute gerne anschaut.

Mitmarschieren kann Heinz Pelkmann zwar nicht mehr, dafür ist er auf dem Festplatz und im Festzelt am Sonntag immer noch zur Stelle. Dass auf ihn immer Verlass ist, hat er auch an anderer Stelle hinlänglich unter Beweis gestellt. So gehörte er jahrzehntelang dem Kegelclub „Die zwölf Fidelen“ an, war zudem langjähriges Mitglied der katholischen Laienspielschar, wo er in manche Rolle schlüpfte. Seine Bühne fand Heinz Pelkmann auch als Nikolaus.

35 Jahre lang kam er als solcher mit dem Boot über die Hessel gefahren und brachte Kinderaugen zum Leuchten, bis er sein Amt 2003 an Frank Deitert abgab. Auch die Geschicke der Stadt waren dem zweifachen Großvater stets ein wichtiges Anliegen: So gehörte Pelkmann dem Rat der Stadt 30 Jahre lang an. Nicht zu vergessen: der Karneval.

1961 bestiegen Heinz Pelkmann und seine Ehefrau Anni, mit der er bereits 54 Jahre glücklich verheiratet ist, den Narrenthron. „Wir haben sehr gerne gefeiert“, sagt Anni. Gern denken sie und ihr Mann an die vielen schönen Feste, die unzähligen Nächte, die sie durchgetanzt haben, zurück – ob im Karneval oder auf den Schützenfesten. Sie hätten immer zu den Letzten gehört, die das Fest verlassen hätten. „Ich bin öfter barfuß nach Hause gegangen, so weh taten mir die Füße vom Tanzen“, lacht Ehefrau Anni Pelkmann. 

Auch die vielen gebratenen Spiegeleier nach den Schützenbällen fallen ihr sofort wieder ein, wenn sie an diese wilde Zeit zurückdenkt. Als Heinz Pelkmann dem Verein 1951 beitrat, wurde Karl Habrock König, 1973 errang dieser gar noch die Kaiserwürde, hatte Deitert in der Chronik nachgelesen. Um Schützenbruder zu werden, musste man zu der Zeit eine Deutsche Mark berappen, zusätzlich zu dem danach fällig werdenden Mitgliedsbeitrag. 

Die weiße Hose war 1951 ebenfalls noch nicht eingeführt worden. Ein normaler Anzug, der Spazierstock und natürlich ein Hut mussten es aber schon sein. Von den Kopfbedeckungen hat Heinz Pelkmann in seiner langjährigen Vereinszugehörigkeit „nur maximal drei, dafür aber ein paar mehr weiße Hemden und Hosen verschlissen“, plaudert Ehefrau Anni aus dem Nähkästchen. Dass auch die Hüte der Schützenbrüder einiges mitbekommen hätten, davon ist auch Frank Deitert überzeugt. „Viele Hüte könnten sicher viele Geschichten erzählen“, sagt er und lacht wissend und schweigt stille.

Montagsschützenclique

Heinz Pelkmann gehörte früher nicht nur der Ehrengarde an. Er war auch Mitglied der berühmt-berüchtigten Montagsschützenclique. Die flexten kurzerhand schon mal ein Autodach ab, weil sie Lust hatten, Cabrio zu fahren oder aber maßen sich beim Rasierwettbewerb. „Die waren schon kreativ und hatten gute Ideen“, freut sich Deitert. 

Die Tatsache, dass Heinz Pelkmann nie die Königswürde errang oder erringen wollte, wurde familienintern wettgemacht und zwar durch den Schwiegersohn Thomas Storck. Storck, der mit Pelkmanns Tochter Gaby verheiratet ist, hatte den Vogel 2013 von der Stange geholt. Die Mitgliedschaft des Schwiegersohns im Verein sei übrigens keine Bedingung für die Hand der Tochter gewesen, versicherten die beiden Eheleute. Storck sei vielmehr selbst von Haus aus vorbelastet und von Kindesbeinen an vom Schützenvirus infiziert gewesen. Von daher habe es keine Berührungsängste gegeben. 

Nächstes Jahr wieder Ehrungen

Frank Deitert bedauert, dass der Verein aufgrund des Corona-bedingten Ausfalls des Schützenfests in diesem Jahr erneut auf die Ehrungen der langgedienten Mitglieder verzichten muss. Er hofft jedoch auf das nächste Jahr. Heinz Pelkmann ist jedenfalls vorbereitet, der Hut passt noch immer, eine neue Feder liegt zur Sicherheit bereit.